Langzeitprojekt: Fully Eigenaufbau TAMS

Eigentlich wollte ich mir im Herbst dieses Jahres ein neues Bike gönnen. Wenn die Angebote aus dem Boden sprießen, weil jeder Platz für die 2017 Modelle im Lager machen möchte. Doch nun kommt alles anders.

Die Vorgeschichte

Ursprünglich hatte ich mir schon früher, vor meiner Pause beim Biken schon mal vorgenommen, irgendwann ein Bike selbst aufzubauen. Ganz nach meinen Vorstellungen und Vorlieben. Dann kam aber die 5-jährige Pause mit dem Biken und da ich auf Grund einer neuen Lebenssituation (Familie, Kinder) nicht wusste, ob ich wieder am Hobby Spaß finde und auch ob ich überhaupt die Zeit dazu finde, kaufte ich mir mein Giant Talon Hardtail.

Das MTB hat mich auch nie wirklich im Stich gelassen und stets gute Dienste geleistet, doch war mir schnell klar, dass ich bei dem Hobby wieder bleibe und so kam auch der Wunsch nach etwas mehr. Ebenso schnell war klar, dass großartig aufrüsten nicht wirklich Sinn macht, weil einfach manche Sachen nicht so einfach aufzurüsten sind. Zum Beispiel die Gabel mit ihrem geraden Schaft. Hier findet man nur schwer etwas bessere Gabeln…

Das Thema Eigenaufbau fiel diesmal aber auf Grund des höheren Preises erstmal weg. Also durchsuchte ich viele Hersteller- und Versender-Homepages nach einem passenden Rad.

An dieser Stelle muss ich allerdings auch sagen, ich war was die Art des Bikes angeht noch sehr unentschlossen. Da ich aktuell auf 27,5″ fahre, wollte ich definitiv nicht kleiner. Da ich allerdings auch eher in Richtung Tourenbiker gehe, wollte ich auch 29″ nicht ausschließen. Ebenso war ich mir unsicher, ob Fully oder wieder ein Hardtail. Zum einen bietet ein Fully etwas mehr Komfort, was auf längeren Touren sicherlich angenehmer ist. Ebenso merke ich bei einigen Trails auch, wie ich mit dem Hardtail am Limit bin, aber trotzdem gerne „mehr“ will. Dann denke ich wieder an die Nachteile eines Fullys, wie z.B. Gewicht, höherer Wartungsaufwand, höhere Kosten etc. Ist das die paar Trails, die ich fahre, überhaupt wert? Oder würde ich vielleicht auch mehr Trails oder knifflige Passagen fahren, wenn ich es (besser) könnte? Wenn ein Fully, dann muss es kein Enduro sein, ein Touren- oder Marathonfully wäre dicke ausreichend.

Letztendlich bin ich mal ein kurzes Stück ein 29″ Fully von meinem Chef (an dieser Stelle: Danke für die Probefahrt!) gefahren und war irgendwie angetan. Auch die Aussagen von Freunden (besonderen Dank an dieser Stelle geht an Bellcreekbiking) und Bekannten stimmten mich eher in Richtung Fully. Aber trotzdem habe ich noch in beide Richtungen geschaut.

Das Gesamtpaket sollte stimmen… Es sollte auch etwas zukunftssicher sein, daher sind mir aktuelle Standards wichtig. Klaro, in der momentanen Zeit wechseln auch diese recht schnell. So wollte ich ein Bike am liebsten mit Steckachse an der Hinterachse, innenverlegte Züge, tapered Steuerrohr und einer vernünftigen Gabel. Irgendwie war es nicht möglich, dass alles zu vereinen… Zumindest nicht in der Preisklasse, wie ich es mir vorgestellt habe. Irgendetwas hat immer nicht gestimmt, auch wenn es nur die Reifen waren. Oder es hat technisch alles gepasst, aber die Geometrie bzw. Rahmenhöhen nicht. Das ist bei mir nicht so einfach, da ich einen etwas falsch proportionierten Körper habe. Dazu später auch noch mehr.

Irgendwie sind auch mit dem Wechsel zu den 2016er Modellen entweder die Ausstattungen geschrumpft, oder der Preis ist angestiegen. Man hat es ja schließlich auch überall gelesen. Gefühlt sind die Preise für die Teile aber nicht in dem Umfang gestiegen, weshalb vielleicht ein Eigenaufbau doch gar nicht soooo teuer kommt wie ein Fertigbike? Ich habe mir eine Excel-Tabelle angelegt und alle Teile, welche ich nehmen würde, eingetragen. Und ich war doch etwas überrascht, sooo viel teurer wie erwartet ist es gar nicht. Klar, man zahlt immer etwas mehr, vor allem wenn man ein Komplettbike aus einem Angebot / Ausverkauf nimmt, aber bevor ich mir ein Komplettbike kaufe, und dann direkt anfange Teile zu tauschen, oder alternativ nicht 100% mit zufrieden zu sein, kann man doch über den Eigenaufbau nachdenken. Immerhin wollte ich das früher auch schonmal machen.

Die Entscheidung

Ernster wurde der Gedanke dadurch, dass es bei Bike Discount eine Cube Rahmenaktion gab. Ich habe zwar schon vorher immer mal die Rahmen durchgesehen, doch irgendwie war die Aktion so ein Punkt. Ebenso war mir auch klar, dass der Rahmen, welchen ich in die Auswahl nahm, auch vorher schon zu dem Preis zu haben war. Der besagte Rahmen war der Cube AMS 120 HPA 29 in black’n’blue.

rahmenaktion rahmen

Eine Recherche im Internet ergab, dass dieser Rahmen zwar nicht der leichteste, aber ein solider Rahmen ist. Ebenso diente er schon vielen als Grundlage für einen Selbstaufbau. Mit seinen 120mm Federweg (nicht zu viel) und den 29″ Rädern passt er auch prima zu meinen Vorstellungen. Nach einigen Rücksprachen mit Bellcreekbiking, der ein ähnliches Projekt, ein AMS 150 in 26″, schon durchgezogen hat, ging es in die finale Entscheidung. Davon abhängig waren die verfügbaren Rahmengrößen.

Die Rahmengröße

Erhältlich ist der Rahmen nur noch in 19″, 21″ und 23″. Ich bin mit meinen 178cm und der kurzen Schrittlänge von 80cm nicht der größte, habe aber dementsprechend kurze Beine und einen langen Oberkörper. Das ist auch der Grund, warum ich auf meinem aktuellen Giant die Rahmengröße L mit 48cm fahre. Rein rechnerisch liege ich hier eigentlich deutlich näher an Größe M. Aber auch hier war bei der Größe M das Oberrohr viel zu kurz, was auch mit einem längeren Vorbau nicht korrigiert werden konnte. „Untenrum“ ist es halt etwas enger, als bei manch anderen… 😉 Der 19″ Rahmen von Cube hat ein Sattelrohr von 47cm, also etwas weniger als mein jetziges Giant. Dazu aber die größeren Räder und die 2cm, was mehr an Federweg ist. Passt das denn noch? Ich sollte schon über dem Oberrohr stehen können…

Ich fuhr also bei einer größeren Fahrradladenkette vorbei und wollte einfach mal einige Fullys etc. probesitzen. Da es aktuell kein AMS 120 mehr gibt, hatte ich mir schon andere Bikes mit ähnlichen Geometriedaten rausgesucht. Verwundert stellte ich allerdings fest, dass der Laden noch ein AMS aus dem Jahre 2015 da stehen hatte, allerdings in Größe 17″. 17″ wäre eins kleiner als das 19″, also probierte ich mal. Neee, also das war definitiv zu klein, ich habe ich gefühlt wie auf dem Kinderfahrrad unserer Kinder. Zwischen den Beinen war etwas Platz, aber das schlimmere war das kurze Oberrohr. Merkwürdigerweiße habne auch die aktuellen Cube Hardtails in 19″ ähnliche Werte. Und diese passten gut. Ich gehe einfach mal davon aus, dass firmenintern dann auch nicht sooo große Unterschiede sind.

An dieser Stelle will ich auch nochmal kurz erwähnen, dass ich eigentlich nicht der Typ bin der im Geschäft probiert und dann im Internet bestellt. Aber bei einem Rahmen ist es halt nicht so einfach. Zumal haben wir dort auch schon das Bike meiner Frau und etliches Zubehör (Bekleidung, Helm meiner Frau, etc.) gekauft. Ebenso habe ich meine Schwiegereltern dort hingeschickt, die zwei E-Bikes inkl. Fahrradträger und Zubehör gekauft haben. Deshalb habe ich hier auch diesmal kein schlechtes Gewissen.

Ich habe es jedenfalls gewagt und mir den Rahmen bestellt. Da ich vorher schonmal bei dem Shop nachgefragt habe, welchen Steuersatz und welches Innenlager ich am Besten nehmen soll, habe ich diese beiden Teile direkt mitgeordert und lasse sie mir direkt einbauen.

Witzig übrigens, als ich vor ca. einem Jahr im Megastore, also dem dazugehörigen Ladenlokal war, habe ich einen 2. Wahl AMS Rahmen gesehen, der nur einen Lackfehler hatte. Wenn ich nicht mein Geldbeutel vergessen hätte, hätte ich ihn da auch schon mitgenommen.

Der Projektname TAMS steht übrigens für Thorstens AMS. Ich bin mal gespannt wann der Rahmen geliefert wird und werde natürlich berichten. Zeitlich habe ich mir das Projekt auch bis Ende des Jahres vorgestellt, es wird also nicht Schlag auf Schlag gehen.

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4 Gedanken zu „Langzeitprojekt: Fully Eigenaufbau TAMS“

  1. Ich kann deiner Zerrissenheit beim Thema „Hardtail vs Fully“ sehr gut nachvollziehen. Mir geht es genauso, wie du es so schön beschrieben hast. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Projekt und würde mich sehr über einen Bericht deiner Erfahrungen zum Thema Fully freuen.

    1. Danke und natürlich werde ich über meine Erfahrungen berichten!
      Ich muss immer an einen Erfahrungsbericht denken, in dem jemand der sowohl Hardtail als auch Fully fährt beschrieben hat, dass er bei einer 80km Tour immer zum Fully greifen würde, weil er viel entspannter ankommt, auch wenn er mehr Gewicht bewegen muss. So falsch kann es also nicht sein.

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